Waldgehen

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Ich war im Wald. Gestern, heute. Uns zieht es in den Wald. Dieser schluckt uns dann. Wir sind mehr bei uns. Wir fühlen uns geborgen, wir fühlen uns daheim. Zumindestens allermeistens. Natürlich kann ich in einem Wald auch verlorengehen, mich einsam fühlen, nicht mehr wissen wo ich bin, Angst haben. Heutzutage wo wir in viel zu viel Technik und Außenbestimmung leben zieht uns der Wald wie seit Millionen von Jahren an. Bäume sind Lebewesen wie wir.

Der Waldboden ist wunderbar weich. Er entsteht durch die dauernde Verrotung der Blätter, Rinden, Äste, Totholz vermodert. Es ist ein wunderbar weiches, angenehmes Gehen im Wald. Am besten barfuß. Du merkst, dass du wie dahinschwebst auf dem wunderbar weichen Blätterüberzug.

Bröselst du ein Blatt in der Hand auf, stellst du fest wie vergänglich es und wir selbst sind. Ich liebe den Wald. Nicht jeden gleich. Seit meiner Kindheit bekannte Bäume und Sträucher oder Farne sind sehr Vertraute von mir. Neue Bäume, unbekannte sind jedoch genauso sofort gute Freunde. Sie heißen einen wie selbstverständlich willkommen.

Sie selbst verweilen dort wo sie ihren Platz bekommen haben. Das ist einer der größten Unterschiede zwischen Tieren und Bäumen. Der Baum muss genau mit seinem zugewiesenem Platz zurechtkommen. Er versucht alles um Licht einzufangen. Untereinander sind Bäume wahrscheinlich genauso vernetzt wie Menschen. Wurzeln berühren sich, Symbiosen sind allerorts zu entdecken.

Wir können von unseren Freunden, den Bäumen viel lernen. Deshalb fühlen wir uns mit Holz so wohl, weil wir eben sehr verwandt mit den Pflanzen sind. Also werde ich nicht aufhören in den Wald zu gehen. Es ist jedes Mal ein Erlebnis. Im Wald gehen. Aber auch stehen bleiben und staunen. Das ist unser Planet, unsere Mutter Erde. Sie gibt uns alles was uns guttut. Das können wir lernen. Wie schön ist das denn?!

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Denkengehen

Ich ging heute. Einer der Gründe war, ich wollte den schönen Sommermorgen auf der Alm nützen, nach dem bekannten Motto, Morgenstund hat Gold im Mund.

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Ein anderer Grund war, ich musste meinen Kopf, mein Gedächtnis hinaustragen um Gedanken zu sortieren. Zu schwer ist der Geist oftmals, fühlt sich eingesperrt, kann nicht atmen, erstickt fast. 

Dann treibt es uns auf unsere Beine, wir müssen gehen und kommen dadurch in einen viel besseren Fluss des Denkens. Es löst sich so manches, anderes wird klar oder klarer. Neues kann entstehen, die Schwere des Verkopften verfliegt.

Ich gehe um zu denken. Ein starkes Motiv. Wir können es als Denkengehen bezeichnen.

Danach ist einiges besser sortiert in unserem Geist, es ist vorerst wieder etwas aufgeräumter, etwas leichter. Wir fühlen uns wieder wohler. Der Geist hat Sauerstoff und Fluss bekommen.

Bis zum nächsten Denkengehen wird nicht viel Zeit vergehen.

Beobachten

img_20190714_151711Ich bin heute leicht gewandert. Dabei habe ich die emsigen Insekten beobachtet wie sie den Nektar der Sommerblumen ohne Unterlass gesammelt haben. Dieser Kreislauf funktioniert schon seit vielen Zigjahren.

Sich einfach hinsetzen und beobachten. So kann ich die Natur rings um mich bestaunen und bewundern. Bei diesem Staunen merke ich gar nicht, dass ich, dass wir Menschen ein Teil dieser Natur sind. Wir sind aber nicht außerhalb, wir sind mittendrin.

Auch wenn die Inder heute eine Rakete zum Mond schießen, wir kommen von dieser Erde nicht los. Und das müssen wir auch nicht. Was vielen gut täte, wäre unseren Planeten, die Natur direkt um uns mehr zu beobachten, zu bewundern. Dieser Respekt, dieses Verständnis geht vielen Menschen heute verloren. Mag die industrielle und digitale Entwicklung noch so schnell voranschreiten, die Lebens und Naturgesetze bleiben seit Zigjahren die gleichen.

Wir dürfen uns in der Natur geborgen fühlen. Wir dürfen nie aufhören sie zu beobachten, sich über sie zu wundern, zu staunen und vor allem von ihr zu lernen. Wir werden so bescheidener, dankbarer, geerdeter, zufriedener, hier auf der Erde, und nicht auf irgendeinem anderen Planeten. Danke Mutter Erde!

Ausmisten

Ich habe ausgemistet. Also alles das weggegeben was nicht wichtig für mein Leben jetzt ist. Das war viel. Etwa ein Viertel blieb noch übrig. Die Wohlstandsgesellschaft ist noch immer im Shopping Wahn.

Das wird sich ändern. Erste Ansätze sind da. Die fridays for future Generation kann diese Möglichkeit nutzen, wenn sie es ernst meint. Das wird noch schmerzhaft werden. Zur gleichen Zeit jedoch sehr heilsam.

Wann werden wir wieder Gebrauchsgegenstände erzeugen, die wir sehr lange verwenden können?

Wir sind am Höhepunkt des unzufriedenstellenden Konsumwahns angelangt. Jetzt ist Ausmisten dran. Jetzt ist Bewusstseinsänderung dran. Jetzt ist zu denken: ‘Brauch ich dieses (unbedingt)?’ ‘Was mache ich damit, wenn ich es nicht mehr verwende?’ ‘Wie entsorge ich es?’ ‘Kann ich dann noch etwas anderes daraus machen?’img_20190620_150805

Ausmisten muss nur jemand der zu viel hat. Wenn viele zu viel haben, haben am anderen Ende auch viele zu wenig. Darüber darf nachgedacht werden. Es ist nie zu spät sich zu bewegen und zu lernen.

Aussicht

Wir lieben Aussicht. Ich brauche sie sogar. Ohne Aussicht können meine Gedanken nicht frei herumschwirren. Das ist besonders wichtig. Der Geist darf nicht eingesperrt sein.

Die Aussicht von einem Berg, auf einen See, auf das Meer, in den Himmel, auf etwas worauf man sich freut, ganz egal, aus der eigenen manchmal engen Sicht braucht man Aussicht.

Wenn ich sie gerade nicht habe, ist es günstig zu wissen wie ich in eine solche Aussichtsposition komme. img_20190531_114223-1

Das kann man lernen. Sich selbst kennenlernen und sich ausrichten ist nützlich. Oft braucht es etwas Bewegung um an Aussicht zu gelangen. Das und sie selbst tut uns gut.

Stufen

img_20190423_071349Ich ging die vergangenen 10 Tage über viele, viele Steinstufen. Hinauf als auch hinunter. Im Himalaya sind das die wirklichen highways. Früher gingen Einheimische tagelang durch Täler, über Pässe und Berge um Verwandte zu besuchen. Es wurde in sogenannten teahouses übernachtet, die Unterkunft war frei, für Mahlzeiten musste bezahlt werden.

Heute durchqueren Trekker aus aller Welt auf diesen Routen die  Gebirgszüge des wuchtigsten Gebirges des Planeten. Die Trekker kommen oft zurück mit geschundenen Körpern. Vor allem die Beine zeugen von der Überbeanspruchung, von den Strapazen.

Danach braucht der Körper wieder Ruhe um zu regenerieren. Täglich stehen wir vor Stufen. Sie helfen uns Weg zu überwinden. In der Regel sollte es mittels der Stufen leichter sein den Weg zu meistern. Oft ist jedoch der natürliche Boden ohne Präparation besser für unseren Bewegungsapparat.

Wo Stufen gebaut werden wird das für nötig gefunden weil dieser Weg oftmals benützt wird. Es ist aber auch genauso wichtig Wege zu gehen, ohne Stufen. Solche die noch nie begangen wurden, oder selten begangen werden.

Als ich mein persönliches Trekking begann dachte ich an das berühmte Zitat aus dem ‘Stufengedicht’ von Hermann Hesse: ‘Und jedem Anfang hält ein Zauber inne.’ Ich brannte darauf endlich loszumarschieren nachdem ich länger zuwartete, ich war nicht mehr zu halten. Zum Ende der tagelangen Wanderung war dieser Zauber längst vorbei. Die Faszination des Gehens, des sich Bewegens war immer noch da. Die Müdigkeit auch. Die Stufen auch.

Der Rundweg

 

SAM_4442.JPGWir gehen gerne eine Runde, also im Kreis. Im Englischen nennt man es auch point to point. Einmal im Uhrzeigersinn, einmal dagegen, ganz unterschiedlich. So ist unser Weg immer neu. Der Lebensweg ist auch eher kreisförmig angelegt. Man könnte ihn auch als spiralförmig sehen. Also die Kombination aus Kreis und Pfeil. Das Tolle am Weg ist, dass wir immer wieder Aussichtspunkte haben, uns solche wählen können. Dazu müssen wir am besten stehen bleiben. Pausen machen ist so wichtig, es wird mit dem Alter noch wichtiger. Sie tun uns gut. Auf dem Weg können wir über vieles nachdenken. Unser Gehirn arbeitet oft am besten im Gehen, in der Bewegung. Aufbrechen zu können und zu dürfen ist ein schönes Gefühl. Jeden Tag machen wir uns auf einen neuen Weg. Manchmal freuen wir uns besonders auf ihn. So wie ich heute. Ein kleiner Rundweg im großen Leben. Vom Anfang bis zum Ende  sind wir eingebettet in einen Kreislauf. Unser Körper immer mit uns, sich entwickelnd mit dem Geist. Der Frühling jetzt steht für Beginn, für Aufbruch, für Bewegung schlechthin. Die Natur macht es uns vor, wir dürfen ihr auf einem Rundweg folgen. Sie lädt uns immer wieder dazu ein.